www.uwe-berger.net

Lyriker    Erzähler    Essayist

 

PROBEN

 

 

 

Düstrer Abend

Die Kliffe stehn im Licht, das schwindend glüht,
umbrandet vom Gewühl der steten Wellen.
Die Pflanzen, die aus jeder Nische quellen,
sind von den Tagesträumen satt und müd.
Die Worte und die Lieder werden schwer.
Flugzeuge gleiten in den Airport nieder,
und Küstenschiffe kehrn beladen wieder.
Dann färbt der düstre Abend Dunst und Meer,
befällt auch mich mit seinem gelben Grau,
in dem das Leben nichtig wird und sinkt,
die Weite unsre Kräfte saugend trinkt.
Gib acht nun und sei wach und sieh genau:
Der Felsklotz in dem Raum der blinden Zeit
ist Heimstatt unserer Gemeinsamkeit.

2003

 

Antlitz

Im Münster, das mit Würde mahnt
zum Wachsein, klirrt es, wilder Krieg.
Ach, Klang, verfliege doch, verflieg,
damit die Seele Frieden ahnt -
die Toten kämen gern zur Ruh.
Die Totentrommel wird gerührt,
die Andacht böse vorgeführt,
mißbraucht. Die Wunde heilt nicht zu.
Doch von der Decke bronzen hängt,
nach innen schauend und belebt,
ein Engel, Hoffnung, die da schwebt
und ruhig das Gekreisch bedrängt.
Auch wenn der Haß noch weiterfrißt:
das Antlitz der Versöhnung ist.

2005

 

   

 

« Vorherige Probe

Nächste Probe »