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Lyriker    Erzähler    Essayist

 

PROBEN

 

Dein Wort, dein stilles Wort

Gesichter, die sich vor dein Auge schieben –
die Frauen weinen, und die Männer stieren,
betrogen und geduldig, zu verlieren, 
bestraft vom Land, in dem sie hängenblieben.

Auch dein Gesicht wird wie das ihre werden,
das tief gekerbte, unzerstörte, bleiche;
es ist das überall und immer gleiche,
es ist das aller Leute hier auf Erden.

Befiehlt man dir, zu schweigen und zu trauern,
nimm dir das Recht, zu handeln und zu leben
und aus dem Schlamm, ein Mensch, dich zu erheben,

zu hoffen, zu versuchen, zu bedauern;
dein Wort wird Haß und Hochmut überstehen,
dein Wort, dein stilles Wort, kann nicht vergehen.

1992

 

Der Dünkel ihrer Nasen

Sie lernen’s nicht und nicht: das andre lieben.
Sie haben mich verlockt, verleumdet und belogen,
mich krank gemacht und an die Brust gezogen.
Und sind die Ungenügenden geblieben.

Sie wollen noch und immer noch befinden,
was ich zu denken habe und zu fühlen,
und immer noch in meiner Seele wühlen.
Ich aber will mich nicht im Staube winden.

Verfolgte, kamen sie aus bösen Zeiten
und konnten doch kaum andere bereiten;
sie wollten alles besser tun und haben
uns hinterlassen einen Leichengraben.

Zur Hölle mit dem Dünkel ihrer Nasen,
der Dummheit schlimmer noch als ihre Phrasen.

1993

 

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